Leserbriefzensur im Hanauer Anzeiger

Was im Leserbrief politisch nicht passt wird gestrichen.

Hier der ungekürzte Leserbrief, gestrichenes in Kursivschrift !

Gibt es das, den „guten“ Kapitalisten? Offensichtlich gibt es den Unternehmer, der -so der Bericht des HA über den Familienunternehmer- Ritter nachhaltig produziert, da Regenwälder für den Anbau auf eigener Plantage nicht abgeholzt werden, der sozial engagiert produziert, da Dörfer mit guter Infrastruktur (v.a. Bildung, Ausbildung, Gesundheit) entstehen. Da Arbeiter und Angestellte relativ fair entlohnt werden, Kleinbauern und Genossenschaften die Ernte zu angemessenen Preisen abgekauft und Menschenrechte eingehalten werden. Es geht also auch anders. Aber: Der Unternehmer darf nicht Aktionäre mit hohen Renditeerwartungen bedienen müssen, er muss sich nicht gegen Übernahmeversuche von Konkurrenten durch Preissenkungen, Rationalisierungen, Personalabbau, Kinderarbeit und Lohndumping wehren müssen. Er darf nicht in einem niedergehenden Markt produzieren wie z.B. dem des Printdrucks, er darf nicht Weltmarktfürer werden wollen wie z.B. Nestle. Und nicht bei Strafe des Untergangs auf expansives Wachstum setzen müssen. Lauter System- und Strukturprobleme. Am gravierendsten die Abhängigkeit von Börsen (z.B. Nahrungsmittelspekulationen) und Aktionären (Slogan: Kaufen Sie Nestle-Aktien, Essen und Trinken geht immer). Insofern: der ‚gute Unternehmer‘ (wenn es denn   den gibt an der Spitze von Großkonzernen) hat es schwer, so eingeklemmt zwischen Börsenkurse und Renditebeschlüssen, schwer mit Moral und Menschenrechten. Bestes Beispiel -übrigens auch u.a. auf dem Kakaomarkt- Nestle. Skandale bis hin zu Verbrechen: Verunreinigte Babymilch (Kampagne ‚Nestle tötet Kinder‘ von Menschenrechtsorganisationen haben in der Sache Recht bekommen), bleibelastete Nudeln ebenfalls mit Todesopfern, Müllberge durch Nespressokapseln, Trinkwasserabpumpung in trockenen Gegenden und Verkauf an die Bevölkerung, deren Brunnen auch für Bewässerung von eigenen Nahrungsmitteln und zur Tränkung ihrer Tiere versiegt sind. Nestle handelt gerichtsnotorisch „unethisch und unmoralisch“.

Daran sollte der Käufer -auch er hat Einfluss- denken, wenn er z.B. die Wahl hat zwischen Sarotti und Ritter-Sport. 

 

Jörg Sternberg

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