Bezahlbares Wohnen in Hanau

Antwort von J. Sternberg (ALL- Hanau) zu den Leserbriefen im HA von

Hr. Bieberle, Hr. Stehlik und Fr. Guevara- Gonzales

Der Vortrag von Fr. Prof.Dr. Heeg und die Replik des Stadtentwicklers M. Bieberle haben eine Reihe von Diskussionsbeiträgen und Leserbriefen ausgelöst. Das ist gut so und zeigt Bürgerbeteiligung allerdings in einer Sache, die nun weitgehend nicht mehr rückholbar ist und kaum mehr veränderbar scheint. Während Dr. Stehliks Stellungnahme sich darin gefällt, der Humangeografin Heeg eine naturwissenschaftliche Fundierung ihrer Thesen zur Stadtentwicklung abzusprechen, d.h.für ihn eine soziale, menschliche Dimension des bebauten Raumes unserer Geosphäre zu denunzieren als „weiche“ Wissenschaft und die rein naturwissenschaftliche Betrachtung der „wirklichen“ Stadt als „schwere“ Disziplin zu verklären. Absurder kann man es nicht formulieren: Die sozialen Prozesse, die sozialen Verhältnisse, in denen die Menschen leben, ihre Beziehungen und kommunikativen Aktionen sind unwirkliche oder zu vernachlässigende gegenüber dem „großen Rest“! So Dr. Stehlik. Der „große Rest“ ist wohl Brachland, Wüste, Ödnis? Ich gratuliere zu solch einem Wissenschaftsbegriff.

Zutreffend listet Fr. Guevara-Gonzales die in letzter Zeit erfolgten Abrisse, Verkäufe, Komfortrenovierungen von hunderten ehemaligen und zum großen Teil planmäßig verfallenden Häusern und Wohnungen insbesondere in der Innenstadt auf. Im Schnitt haben sich dann die Mieten um das Doppelte erhöht, so dass die meist einkommensschwächeren ehemaligen Mieter ihr Umfeld verlassen und an den Rand oder ins Umland ziehen mussten. Eine Vertreibung, Gentrifizierung, was sonst? In der Hoffnung auf künftig höhere Steuereinnahmen und Konsumausgaben durch einkommenskräftigere Schichten. Angeblich, so jetzt Hr. Bieberle, um mit diesen Mehreinnahmen wiederum solidarisch die Schwächeren, die weichen mussten, zu subventionieren. Wie das? Die Hartz-4-Sätze werden dadurch gar nicht tangiert, das Wohngeld verbleibt in den Regelsätzen, die Abgaben für städtische Leistungen (z.B. Bäder, Ferienspiele, Kitagebühren etc.)sind gerade erhöht worden und steigen voraussichtlich weiter.

In Wahrheit werden die Mehreinnahmen wohl in die Finanzierung der Knebelverträge an den privaten Eigner des Forums weitergeleitet, einschließlich der Ausfallsleistungen, weil der Kosumklotz längst nicht so angenommen wird wie erwartet (s.Leerstände, Parkplätze). Und, Hr. Bieberle, wieso ist die überdimensionierte Bibliothek „einer der schönsten Kultureinrichtungen Hessens“? Von den jährlichen Kosten her gesehen, exorbitannt, das kann man sagen. Natürlich ist die Argumentation eine rein politische, was sonst? Ihre auch, Hr Bieberle, Sie setzen nur andere Prioritäten als Fr. Prof. Heeg. Aber die sind mir sympathischer!

Jörg Sternberg

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