Bildungspolitik

von Jörg Sternberg

Es herrscht Übereinstimmung aller Gesellschaftswissenschaftler und Ökonomen darin, dass Bildung die wichtigste Ressource ist, die wir haben und die deshalb quantitativ und qualitativ, also in den Bereichen Bildungssystem und Didaktik sowie Pädagogik, bzw. deren Finanzierung, auf möglichst hohem Niveau auch der wissenschaftlichen Begleitung gehalten werden muss. Alle Lernenden sollen gleichermaßen die Chance haben, selbstbestimmt zu lernen, sozial und solidarisch zu handeln, sie sollen Kritikfähigkeit, Lebensgestaltung und soziale wie fachliche Kompetenz erwerben können.

Sind diese Ansprüche in Deutschland erfüllt?

Im Gegenteil! In keinem anderen Industriestaat ist die soziale Herkunft so entscheidend für den Bildungserfolg und den späteren Status wie in Deutschland. In keiner anderen Industrienation werden Kinder so früh sortiert in ein dreigliedriges/zweigliedriges Schulsystem wie in Deutschland. Wir grenzen aus statt zu integrieren, wir privilegieren Kinder reicher Eltern, wir fördern Privatisierungen von der Krippe bis zur Hochschule, statt zu integrieren und Bildung als öffentliches Gut, das demokratisch organisiert werden kann, zu erhalten. Wir verstärken Bildungsungerechtigkeit statt sie abzubauen. Damit verschärfen wir die Ungleichheit der Chancen auf ein gutes Leben.

Alle Kinder haben einen Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung unabhängig vom Einkommen der Eltern. Und möglichst große Förderung je nach individuellem Lernfortschritt. So wäre es richtig. Die Wirklichkeit sieht anders aus:

Gute Lernbedingungen hängen ab von guten Arbeitsbedingungen der Lehrer und Erzieher.

Fakt ist, dass Erzieherinnen zu den schlecht bezahlten Berufen gehören, dass sie für Verbesserungen ihres Lohns und ihrer Ausbildung und Wertschätzung erst streiken müssen.

Fakt ist auch, dass Lehrer(innen) in Hessen in einen Warnstreik getreten sind, weil sie bundesweit gesehen die höchsten Pflichtstunden und die drittschlechteste Schüler-Lehrer-Relation haben, ihre Besoldung wieder einmal nicht an die Tarifergebnisse für Angestellte angepasst, sondern eine Nullrunde verordnet wurde und weil das inklusive Lernen und andere Fördermaßnahmen zusammengestrichen wurde. Dafür sollen nun Teilnehmer am Streik (nach europäischem Recht zulässig) mit Geldstrafen und Beförderungssperren bestraft werden. Es versteht sich, dass wir als Alternative Linke Liste diese Sanktionen empörend finden und ihre Rücknahme fordern. Insgesamt verdient die hessische Bildungspolitik – gemessen an dem Anspruch ‚gute Bildung für alle‘ – ein denkbar schlechte Zeugnis.

Wir wollen in dem relativ eng gesteckten Rahmen von Veränderungen über Initiativen im Stadtparlament in Richtung auf

  • mehr integrierte und inklusive Gemeinschaftsschulen in Hanau
  • Wiedereinführung der Förderstufe, Erhalt der derzeit einzigen Förderstufe durch Bestandsgarantie für die Tümpelgartenschule

  • vollständige Abdeckung des Anspruchs auf einen Krippen- bzw. Kitaplatz

  • Erlassen der Gebühren und Kosten (Mittagsessen) für diese Plätze für sozial Schwache

  • Ausbau der Schulsozialarbeit

dafür gemeinsam mit fortschrittlichen Kräften im Landtag sorgen, dass ‚gute Bildung für alle‘ kein Slogan bleibt, sondern Schritt für Schritt Wirklichkeit wird.

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2 Gedanken zu „Bildungspolitik

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